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Mauerwerk trockenlegen: Ratgeber für die nachträgliche Abdichtung

Mauerwerk trockenlegen: Ratgeber-Titelbild zeigt feuchte Kellerwand mit Ausblühungen und abplatzendem Putz.

Bild mit KI-Unterstützung erstellt

Feuchtes Mauerwerk – warum Handeln so wichtig ist

Feuchte Wände sind mehr als ein optisches Problem. Wer den modrigen Geruch im Keller oder die weißen Ausblühungen an der Außenwand ignoriert, riskiert langfristig ernsthafte Schäden an der Bausubstanz. Feuchtigkeit im Mauerwerk zersetzt Mörtel, treibt Salze an die Oberfläche, lässt Putz abplatzen und schafft ideale Bedingungen für Schimmel. Gerade in älteren Gebäuden fehlt oft eine funktionsfähige Horizontalsperre oder die vorhandene Abdichtung ist im Laufe der Jahrzehnte porös geworden. Das Ergebnis: Wasser steigt kapillar aus dem Boden auf, dringt durch Risse ein oder sammelt sich hinter schlecht abgedichteten Kellerwänden.

Die gute Nachricht: Mauerwerk trockenlegen ist in vielen Fällen eine Aufgabe, die sich mit dem richtigen Material und etwas handwerklichem Geschick selbst erledigen lässt – vorausgesetzt, die Ursache wird korrekt bestimmt und das System konsequent nach Merkblatt verarbeitet. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die Ursache der Feuchtigkeit zuverlässig eingrenzen, welche Verfahren zur Mauerwerkstrockenlegung es gibt und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen – vom ersten Bohrloch bis zum fertigen Sanierputz.

Ursachen von Feuchtigkeit im Mauerwerk erkennen

Bevor Sie mit der eigentlichen Trockenlegung beginnen, müssen Sie verstehen, woher die Feuchtigkeit kommt. Nicht jede nasse Wand hat dieselbe Ursache – und die falsche Diagnose führt zur falschen Maßnahme. Grundsätzlich lassen sich vier Hauptquellen unterscheiden.

Aufsteigende Feuchtigkeit

Aufsteigende Feuchtigkeit ist eine der häufigsten Ursachen bei älteren Gebäuden. Wasser aus dem Erdreich wird durch den Kapillareffekt im Mauerwerk nach oben gezogen – ähnlich wie ein Schwamm Wasser aufsaugt. Typische Anzeichen sind feuchte Flecken in Bodennähe, Salzausblühungen und abplatzender Putz an den unteren Wandbereichen. Fehlt eine intakte Horizontalsperre oder ist sie defekt, kann das Wasser ungehindert aufsteigen.

Eindringende Schlagregenfeuchtigkeit

An Außenwänden kann Schlagregen direkt eindringen, wenn der Außenputz rissig oder porös ist. Das Wasser dringt in die Putzschicht ein und gelangt bei anhaltender Nässe bis ins Mauerwerk. Besonders betroffen sind West- und Südwestfassaden sowie Gebäude in windexponierten Lagen.

Drückendes und nicht drückendes Wasser

Im Kellerbereich unterscheidet man zwischen drückendem Wasser (Grundwasser oder Stauwasser, das mit hydrostatischem Druck gegen die Wand drückt) und nicht drückendem Wasser (Sicker- oder Bodenfeuchte, das ohne nennenswerten Druck an der Wand entlangläuft). Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Wahl des Abdichtungssystems. Die DIN 18533 regelt die Abdichtung erdberührter Bauteile und unterscheidet dabei verschiedene Wassereinwirkungsklassen – von Bodenfeuchte und kapillar aufsteigendem Wasser bis hin zu drückendem Wasser.

Kondensation und Tauwasser

Nicht immer kommt die Feuchtigkeit von außen. In schlecht belüfteten Kellern oder Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit schlägt sich Tauwasser an kalten Wandflächen nieder. Das sieht aus wie eindringende Feuchtigkeit, hat aber eine völlig andere Ursache. Hier helfen keine Abdichtungsmaßnahmen, sondern verbesserte Lüftung und gegebenenfalls ein Luftentfeuchter.

Ein einfacher Test hilft bei der Unterscheidung: Kleben Sie ein Stück Alufolie luftdicht auf die feuchte Wand und lassen Sie es 24 bis 48 Stunden haften. Ist die wandseitige Fläche der Folie feucht, kommt das Wasser aus dem Mauerwerk. Ist die raumseitige Fläche feucht, handelt es sich um Kondensation. Ergänzend liefert eine Feuchtemessung (z. B. CM-Messung an Bohrproben oder kapazitive Messung) einen objektiven Wert über den tatsächlichen Wassergehalt im Mauerwerk.

Methoden zur Mauerwerkstrockenlegung im Überblick

Je nach Ursache und Ausmaß der Feuchtigkeit stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die wichtigsten stellen wir Ihnen hier vor.

Chemische Injektion – die Horizontalsperre nachträglich einbringen

Das Injektionsverfahren ist die am häufigsten eingesetzte Methode, um aufsteigende Feuchtigkeit dauerhaft zu stoppen. Dabei wird ein Injektionsstoff – häufig eine silanbasierte Creme, ein Mikroemulsionskonzentrat oder eine wässrige Lösung – in Bohrlöcher eingebracht. Nach Reaktion bzw. Trocknung bildet sich im Bohrlochbereich eine wasserhemmende Sperrzone, die den weiteren kapillaren Aufstieg unterbindet. Wichtig: Die genaue Wirkungsweise und das Ausbreitungsverhalten hängen von System, Feuchtegrad, Porenstruktur und Hohlraumanteil des Mauerwerks ab. Eine pauschale „kapillare Verteilung in der gesamten Wand“ ist nicht garantiert; maßgeblich ist immer das technische Merkblatt des Herstellers.

So gehen Sie beim Injektionsverfahren vor:

  1. Untergrund vorbereiten: Beschichtungen und Putz im Bereich der Bohrreihe entfernen, damit direkt ins tragende Mauerwerk bzw. in die Lagerfuge gebohrt werden kann. Bestehende Putz- und Salzschichten im Sanierbereich – in der Regel mindestens 80 cm über der sichtbaren Feuchtigkeitsgrenze – vollständig abschlagen. Lose Mörtelteile, Tapetenreste und Altanstriche entfernen, Hohlräume kontrollieren.
  2. Bohrlöcher setzen: Bohrdurchmesser, Achsabstand, Bohrwinkel, Reihenanzahl und Position richten sich nach Mauerwerksart und technischem Merkblatt des Injektionsmittels. Übliche Richtwerte: Bohrdurchmesser 12–18 mm, Achsabstand 10–12,5 cm, eine Bohrreihe ca. 10–20 cm über Bodenniveau. Bei drucklosen Cremes wird häufig waagerecht gebohrt, bei flüssigen Systemen oft mit 15–45° schräg nach unten. Bei Vollziegel oder Kalksandstein genügt meist eine horizontale Bohrreihe in Lagerfuge oder Stein; bei Bruchstein, gemischtem Mauerwerk oder ausgeprägten Hohlräumen sind eine Vorverfüllung (z. B. Zementsuspension), zweireihige Anordnung oder größere Bohrlochabstände erforderlich. Bohrtiefe in der Regel 5 cm vor der gegenüberliegenden Wandseite enden lassen.
  3. Bohrlöcher reinigen: Bohrstaub mit Druckluft, Blasebalg oder Industriesauger gründlich aus den Bohrlöchern entfernen, damit das Injektionsmittel ungehindert in die Poren und Fugen gelangt.
  4. Injektion durchführen: Bei drucklosen Cremes wird das Material mit Kartuschenpistole oder Schlauchbeutel von hinten nach vorn blasenfrei in das Bohrloch eingebracht, bis es bündig gefüllt ist. Bei flüssigen Systemen werden Trichter, Vorratsbehälter oder Niederdruckpacker eingesetzt; nachfüllen, solange das Mauerwerk Material aufnimmt. Druckinjektionen erfolgen über Packer mit definiertem Druck nach Herstellerangabe. Das Injektionsmittel verteilt sich je nach System, Feuchtegrad und Porenstruktur im Bohrlochbereich und bildet nach Reaktion bzw. Trocknung eine wasserhemmende Sperrzone.
  5. Bohrlöcher verschließen: Nach Aufnahme bzw. Reaktionszeit werden die Bohrlöcher mit einem geeigneten zement- oder kunstharzgebundenen Verschlussmörtel kraftschlüssig verschlossen.
  6. Weiterarbeiten nach Systemvorgabe: Nach Injektion und ggf. Salzsperre/Porengrundputz kann ein geeignetes Sanierputzsystem meist nach den vorgegebenen Wartezeiten (oft 1–14 Tage je nach Produkt) aufgebracht werden. Eine vollständige Austrocknung des gesamten Mauerwerks ist dafür nicht zwingend nötig – Sanierputz ist gerade für feuchten Untergrund konzipiert.

Wichtig: Das Injektionsverfahren wirkt gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit. Drückendes Wasser von außen, seitlich eindringendes Wasser oder defekte Außenabdichtungen erfordern zusätzliche oder andere Maßnahmen.

Kellerabdichtung von innen

Wenn Wasser von außen durch die Kellerwand eindringt und eine Außenabdichtung nicht möglich ist – etwa weil das Gebäude direkt an der Grundstücksgrenze steht – kommt die Innenabdichtung als Ersatz- oder Ergänzungsmaßnahme infrage. Dabei werden in der Regel mineralische Dichtschlämmen (starr oder flexibel) auf die Innenseite der Kellerwand aufgebracht.

Normative Einordnung: Für erdberührte Bauteile ist DIN 18533 maßgeblich. Innenraumabdichtungen in Bädern, Duschen und ähnlichen Bereichen regelt DIN 18534; sie ist nicht die zentrale Norm für die nachträgliche Abdichtung erdberührter Kellerwände. Da eine nachträgliche Innenabdichtung von der Belastungsseite abweicht, ist sie als Sonderlösung zu betrachten und sollte streng nach Herstellersystem ausgeführt werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung Innenabdichtung mit mineralischer Dichtschlämme:

  1. Untergrundprüfung: Tragfähigkeit, Ebenheit und Feuchtegehalt prüfen. Der Untergrund muss fest, frei von Trennmitteln (Öl, Fett, Sinterschichten) und ausreichend rau sein.
  2. Altbeschichtungen entfernen: Alte Putze, Anstriche, Bitumenreste und mürbe Fugen vollflächig abtragen, bis tragfähiges Mauerwerk freiliegt.
  3. Fugen und Risse öffnen und reprofilieren: Offene Mörtelfugen ausräumen und mit Reparaturmörtel (Systemmörtel) bündig schließen. Risse kraftschlüssig verschließen.
  4. Sohl-Wand-Anschluss ausbilden: Eine Hohlkehle aus Dichtkehlenmörtel bzw. dem vom Hersteller vorgesehenen Reparatur-/Dichtmörtel mit ca. 4–6 cm Schenkellänge ausführen. Diese Hohlkehle ist konstruktiv entscheidend, um Risse im rechtwinkligen Übergang zu vermeiden.
  5. Vornässen und Grundieren: Saugfähigen Untergrund mattfeucht vornässen oder mit Systemgrundierung vorbehandeln, je nach Produktvorgabe. Bei salzbelasteten Untergründen ggf. zusätzlich Salzsperre/Porengrundputz oder Spritzbewurf einsetzen.
  6. Kratzspachtelung: Erste Lage der Dichtschlämme satt in den Untergrund einreiben („Kratzspachtelung“), um Poren und Fehlstellen zu schließen.
  7. Dichtschlämme in zwei Arbeitsgängen aufbringen: Mindestens zwei Lagen mit Bürste, Quast oder Kelle satt aufziehen. Typische Trockenschichtdicke je nach Lastfall 2–4 mm gesamt; bei drückendem Wasser nach Systemvorgabe oft höher. Zwischen den Lagen Wartezeit nach Hersteller einhalten (häufig 4–24 Stunden), zweite Lage „frisch in frisch“ oder auf griffeste erste Lage auftragen.
  8. Durchdringungen und Übergänge: Rohrdurchführungen, Boden-Wand-Anschlüsse und Eckbereiche mit Systemzubehör (Dichtmanschetten, Dichtbändern, Flexbändern in die frische erste Lage eingebettet) abdichten.
  9. Schutz- und Putzaufbau: Nach Durcherhärtung der Abdichtung (oft 1–3 Tage) Sanierputzsystem mit Porengrundputz und Sanierputz nach WTA-Merkblatt aufbringen. Schichtdicke Sanierputz in der Regel ≥ 2 cm gesamt.

Mineralische Dichtschlämmen gibt es als einkomponentige (1K) starre und zweikomponentige (2K) flexible Systeme. Einkomponentige Produkte werden mit Wasser angemischt; flexible 2K-Systeme bieten leichte Rissüberbrückung. Welches System passt, hängt vom Lastfall, der Wandbeschaffenheit und der Produktfreigabe ab – lesen Sie dazu immer das technische Merkblatt des jeweiligen Produkts.

Außenabdichtung der Kellerwand

Die wirkungsvollste, aber auch aufwändigste Methode ist die Abdichtung der Kellerwand von außen. Dabei wird die Erde rund um das Gebäude bis zur Fundamentoberkante abgegraben, die Wand freigelegt, gereinigt und mit einem geeigneten Abdichtungssystem versehen – typischerweise mit kunststoffmodifizierter Bitumendickbeschichtung (KMB/PMBC) oder mineralischer Dichtschlämme, je nach Lastfall nach DIN 18533. Eine Hohlkehle am Wand-Fundament-Übergang, eine Schutzschicht (Noppenbahn oder Schutzplatte) und ggf. eine Ringdrainage nach DIN 4095 ergänzen das System. Diese Maßnahme ist besonders sinnvoll, wenn drückendes Wasser oder dauerhaft Stauwasser die Ursache ist.

Elektrophysikalische Verfahren

Elektrophysikalische Systeme zur Mauertrockenlegung werden gelegentlich beworben, ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich jedoch umstritten und nicht eindeutig belegt. Unabhängige Fachstellen wie das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) haben für solche Systeme bislang keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung erteilt. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, setzt auf bewährte, normkonforme Verfahren wie die chemische Injektion oder mineralische Abdichtungssysteme.

Sanierputz: der richtige Abschluss nach der Trockenlegung

Nach der eigentlichen Trockenlegung ist der Putz das entscheidende letzte Glied in der Sanierungskette. Normaler Kalk- oder Zementputz ist für feuchte- und salzbelastete Wände ungeeignet – Salze kristallisieren in seinem Gefüge, sprengen das Korn und führen zu Abplatzungen. Sanierputz verbessert durch sein definiertes Porensystem die Verdunstung an der Oberfläche und lagert kristallisierende Salze schadensärmer im Porenraum ein; er ersetzt jedoch keine Abdichtung oder Horizontalsperre, sondern ergänzt sie.

Beim Verputzen nach einer Trockenlegung gilt: Aufbau in der Regel nach WTA-Merkblatt 2-9 – bei starker Salzbelastung mit Porengrundputz (mindestens 1 cm) und darüber Sanierputz (mindestens 1,5–2 cm), so dass die Gesamtschichtdicke ≥ 2 cm beträgt. Ein Vorspritzer aus Haftmörtel (max. 50 % deckend) verbessert die Verbindung zum Untergrund. Zwischen den Lagen 1 Tag pro mm Schichtdicke als Standstandzeit einplanen. Den Abschluss bildet ein diffusionsoffener Oberputz oder Anstrich (Silikat- oder Silikonharzfarbe) – keine dampfsperrende Dispersionsfarbe.

Mehr zu geeigneten Putzsystemen und Mörteln für die Sanierung finden Sie in unserem Sortiment unter Putz und Mörtel.

Wie lange dauert es, eine feuchte Wand trocken zu legen?

Die Trocknungszeit ist einer der am häufigsten unterschätzten Faktoren bei der Mauerwerkssanierung. Nach dem Einbringen einer Horizontalsperre per Injektion ist die Sperrwirkung zwar relativ schnell hergestellt, aber das Mauerwerk selbst enthält noch erhebliche Mengen Wasser, die erst langsam entweichen. Faustregel: Pro Zentimeter Wandstärke rechnet man mit etwa einem Monat Trocknungszeit – bei einer 30 cm dicken Wand also rund 30 Monate unter normalen Bedingungen. Mit einem Bautrockner und kontrollierter Lüftung lässt sich dieser Prozess beschleunigen, aber nicht beliebig verkürzen.

Wichtig: Für das Aufbringen des Sanierputzes muss das Mauerwerk nicht komplett trocken sein – das System ist gerade dafür konzipiert, die Resttrocknung zu unterstützen. Mit kritischen Folgegewerken (Wandbeläge, Holzeinbauten, dampfdichte Beschichtungen) sollten Sie allerdings warten, bis ausreichende Trockenheit nachweisbar ist (CM-Messung).

Kann eine feuchte Wand von selbst trocknen?

In manchen Fällen ja – aber nur, wenn die Feuchtigkeitsquelle beseitigt ist und die Wand ausreichend belüftet wird. Eine Wand, die durch einen einmaligen Wasserschaden nass geworden ist und bei der die Ursache behoben wurde, kann mit der Zeit von selbst trocknen. Anders sieht es bei strukturellen Problemen aus: Fehlt die Horizontalsperre oder ist die Außenabdichtung defekt, wird ständig neues Wasser nachgeliefert. Hier trocknet die Wand nicht von selbst – ohne Sanierung verschlimmert sich der Zustand kontinuierlich.

Schimmel als Begleiterscheinung feuchter Wände

Wo dauerhaft Feuchtigkeit vorhanden ist, siedeln sich früher oder später Schimmelpilze an. Schimmel ist nicht nur optisch störend, sondern kann bei empfindlichen Personen die Gesundheit beeinträchtigen. Vor der eigentlichen Trockenlegung sollten befallene Bereiche fachgerecht behandelt werden. Entfernen Sie schimmelbelasteten Putz vollständig und behandeln Sie das freigelegte Mauerwerk mit einem geeigneten Mittel (z. B. Alkoholbasis, Wasserstoffperoxid oder fungizider Sanierungswirkstoff), bevor Sie neu verputzen. Wichtig: Schimmelbekämpfung ohne Beseitigung der Feuchtigkeitsursache ist wirkungslos – der Schimmel kehrt zurück.

Typische Fehler bei der Mauerwerkstrockenlegung

  • Falsche Diagnose: Eine Horizontalsperre gegen Kondensationsfeuchte oder Schlagregen einzubringen, ist wirkungslos. Ursache zuerst sicher bestimmen.
  • Zu großer Bohrlochabstand oder zu wenig Material: Reduziert die Wirkung der Injektion. Achsabstand und Verbrauch nach Merkblatt einhalten.
  • Verschmutzte Bohrlöcher: Bohrmehl verstopft Poren und verhindert das Eindringen des Injektionsstoffs.
  • Fehlende Hohlkehle bei Innenabdichtung: Führt zu Rissen im Boden-Wand-Übergang und Wassereintritt.
  • Zu dünne Dichtschlämmenschicht: Mindesttrockenschichtdicke nach Lastfall einhalten, sonst keine ausreichende Dichtwirkung.
  • Dampfdichter Anstrich auf Sanierputz: Verhindert die Verdunstung, der Putz wird zerstört.
  • Mörtel statt Systemzubehör in Detailbereichen: An Durchdringungen und Ecken sind Dichtmanschetten und Dichtbänder Pflicht.

Grenzen der DIY-Verfahren

So gut sich viele Maßnahmen selbst umsetzen lassen, es gibt klare Grenzen. Bei starkem drückendem Wasser, statischen Schäden, großflächigen Schimmelbefall (> 0,5 m²), denkmalgeschützten Gebäuden oder unklaren Schadensbildern sollte ein Sachverständiger oder ein WTA-zertifizierter Fachbetrieb hinzugezogen werden. Auch komplexe Mauerwerksarten wie Bruchsteinmauerwerk mit großen Hohlräumen oder Mischmauerwerk lassen sich oft nicht zuverlässig mit Standardverfahren behandeln.

Werkzeug und Material für die Selbstdurchführung

Für die Mauerwerkstrockenlegung per Injektionsverfahren benötigen Sie kein Spezialwerkzeug aus dem Profibereich. Mit folgender Grundausstattung kommen Sie gut zurecht:

  • Schlagbohrmaschine oder Bohrhammer mit passendem Bohrer (Durchmesser je nach Injektionssystem, meist 12–18 mm)
  • Injektionstrichter, Kartuschenpistole oder Niederdruckpacker je nach System
  • Meißel und Hammer zum Abschlagen des alten Putzes
  • Industriestaubsauger oder Blasebalg zum Reinigen der Bohrlöcher
  • Kelle, Reibebrett, Glätter und Quast für Putz- und Dichtschlämmenauftrag
  • Mörtelkübel und Rührquirl
  • Schutzausrüstung: Schutzbrille, chemikalienfeste Handschuhe, Staubmaske FFP2/FFP3

Das passende Material – von der Injektionsflüssigkeit über Sanierputz bis hin zu mineralischen Dichtschlämmen – finden Sie in unserem Baustoffe-Sortiment bei Norax.

Schritt-für-Schritt-Zusammenfassung: Mauerwerk trockenlegen

  1. Ursache bestimmen: Aufsteigende Feuchtigkeit, eindringendes Wasser von außen oder Kondensation? Alufolien-Test und Feuchtemessung helfen bei der Eingrenzung.
  2. Putz entfernen: Alten, feuchten, salz- oder schimmelbelasteten Putz vollständig abschlagen – mindestens 80 cm über der Feuchtigkeitsgrenze.
  3. Horizontalsperre einbringen (bei aufsteigender Feuchtigkeit): Bohrdurchmesser, Achsabstand und Bohrwinkel nach Merkblatt; Bohrlöcher reinigen, Injektionsmittel einbringen, Bohrlöcher verschließen.
  4. Kellerwand abdichten (bei eindringendem Wasser): Mineralische Dichtschlämme in mindestens zwei Lagen mit ausreichender Trockenschichtdicke auf den vorbereiteten Untergrund aufbringen, Hohlkehle und Detailbereiche mit Systemprodukten ausbilden.
  5. Wartezeit einhalten: Wartezeit nach Hersteller vor dem Sanierputzaufbau einhalten, ggf. Bautrockner einsetzen.
  6. Sanierputz aufbringen: Vorspritzer, ggf. Porengrundputz, Sanierputz in ausreichender Schichtdicke, geeigneter diffusionsoffener Oberputz oder Anstrich.
  7. Ursachen dauerhaft beseitigen: Drainage prüfen, Außenabdichtung kontrollieren, Lüftungskonzept überdenken.

Häufige Fragen zum Mauerwerk trockenlegen

Typische Anzeichen für aufsteigende Feuchtigkeit sind feuchte Flecken und Verfärbungen in Bodennähe, weiße Salzausblühungen auf dem Putz sowie abplatzender oder blasenwerfender Putz an den unteren Wandbereichen. Der Alufolien-Test hilft bei der Diagnose: Kleben Sie ein Stück Alufolie luftdicht auf die betroffene Stelle. Ist nach 24 bis 48 Stunden die wandseitige Fläche der Folie feucht, kommt das Wasser aus dem Mauerwerk – ein deutlicher Hinweis auf aufsteigende Feuchtigkeit oder eindringendes Wasser von außen. Ist die raumseitige Fläche feucht, handelt es sich um Kondensation aus der Raumluft. Eine objektive Aussage liefert eine CM-Messung an einer Bohrprobe.

Ja, das Einbringen einer nachträglichen Horizontalsperre per Injektionsverfahren ist mit handwerklichem Geschick gut selbst durchführbar – vorausgesetzt, das Mauerwerk ist überschaubar (Ziegel, Kalksandstein, Beton) und das technische Merkblatt des Injektionsmittels wird konsequent eingehalten. Bohrdurchmesser, Achsabstand und Bohrwinkel werden vom System vorgegeben (typisch 12–18 mm Durchmesser, 10–12,5 cm Achsabstand). Bei Bruchsteinmauerwerk, gemischtem Aufbau, sehr feuchten Wänden oder unklaren Verhältnissen sollten Sie einen WTA-Fachbetrieb hinzuziehen, da hier ein- oder zweireihige Anordnung, Vorverfüllung von Hohlräumen und Drucksysteme erforderlich sein können.

Die Trocknungszeit hängt von der Wandstärke, dem Ausmaß der Durchfeuchtung und den klimatischen Bedingungen ab. Als Faustregel gilt: Pro Zentimeter Wandstärke rechnet man mit etwa einem Monat Trocknungszeit unter normalen Bedingungen. Eine 30 cm dicke Wand kann also bis zu 30 Monate brauchen, um vollständig zu trocknen. Mit einem Bautrockner lässt sich dieser Prozess beschleunigen. Sanierputz kann nach den Wartezeiten des jeweiligen Systems aufgebracht werden – eine vollständige Austrocknung des Mauerwerks ist dafür nicht erforderlich. Vor dampfdichten Folgegewerken (Holzeinbauten, dichte Anstriche, Wandbeläge) sollte der Feuchtegehalt allerdings per CM-Messung geprüft werden.

Nein, eine Horizontalsperre und eine Kelleraußenwandabdichtung erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ersetzen sich nicht gegenseitig. Die Horizontalsperre unterbricht den kapillaren Aufstieg von Feuchtigkeit aus dem Boden in das aufgehende Mauerwerk. Die Kelleraußenwandabdichtung hingegen schützt die erdberührten Wandflächen vor seitlich eindringendem Wasser – ob Bodenfeuchte, Stauwasser oder drückendes Grundwasser. Bei vielen Sanierungsprojekten sind beide Maßnahmen erforderlich. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der Ursache der Feuchtigkeit und dem Lastfall gemäß DIN 18533 ab.

Nach einer Trockenlegung ist normaler Kalk- oder Zementputz nicht geeignet, da er Salze aufnimmt, seine Haftung verliert und abplatzt. Verwenden Sie stattdessen ein Sanierputzsystem nach WTA-Merkblatt 2-9, idealerweise mit Porengrundputz und darüberliegendem Sanierputz. Sanierputz verbessert durch sein Porensystem die Verdunstung an der Oberfläche und lagert kristallisierende Salze schadensärmer im Porenraum ein. Die Gesamtschichtdicke sollte mindestens 2 cm betragen. Als Abschluss eignet sich ein diffusionsoffener Oberputz oder Anstrich (Silikat- oder Silikonharzfarbe). Dampfsperrende Dispersionsbeschichtungen sind zu vermeiden.

Norax GmbH

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